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Yoga: Pratyahara-Sinneseindrücke bewusst wahrnehmen

Pratyahara stammt, wie alle Begrifflichkeiten des Yoga, aus der Sprache des altindischen Sanskrits und bedeutet in etwa "Rückzug der Sinne", "Zurückziehen der Wahrnehmung" oder "Nachinnenlenken" der Aufmerksamkeit. Dies ist doch genau der Wunsch, den wir alle mehr

oder weniger hegen: die Fähigkeit zu erlangen, sich im aktiven Lebenstag von allen Anforderungen zeitweilig abzuwenden, zur Beruhigung, Entspannung und Auffrischung, die Aufmerksamkeit nach innen zu lenken und für einige Momente in der inneren Stille zu verweilen. Wie ist das zu schaffen? Nur die Augen zu schließen, ist kurzzeitig machbar

und hilfreich, aber was ist mit den weiteren Sinneswahrnehmungen, besonders dem Hörsinn?

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Das Yogaelement des Pratyahara lehrt die Kunstfertigkeit des inneren Rückzugs und empfiehlt als ersten Schritt, sich vorerst der einzelnen Sinne und ihrer Wahrnehmungs-fähigkeit bewusst zu werden. Dies klingt einfacher, als es ist, da das Nervensystem des Menschen und die angeschlossenen Sinnesorgane Augen, Ohren, Nase, Mund und Haut darauf trainiert sind, alles gleichzeitig und ohne Unterbrechung wahrzunehmen, um das Wahrgenommene an das Gehirn weiterzuleiten, damit entsprechend der Sinnesreize nötige (oder auch unnötige) Reaktionen erfolgen können. Zu beschaulicheren Zeiten war dieses biologische Zusammenspiel der Funktionen mit wenig Schwierigkeiten verbunden. Doch heute ist der Mensch mit allem, was in sekündlicher

Taktung an Sinnesreizen wahrgenommen wird und verarbeitet werden muss, nicht nur manchmal, sondern meist dauerhaft überfordert. Die moderne Interpretation des Pratyahara besteht aus drei Schritten.

  • Die Sinne zur Ruhe kommen lassen und äußere Ablenkungen, beispielsweise während der Urlaubstage, minimieren.

  • Die fünf Sinneswahrnehmungen separieren, indem Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten bewusst und als Einzelwahrnehmung zelebriert werden.

  • Die Sinneswahrnehmungen während regenerierender Meditationszyklen nach innen richten, also versuchen, ins eigene Innere zu blicken, nach innen zu lauschen (zum Beispiel auf den Herzschlag), innerlich zu schnuppern und zu schmecken und sich beispielsweise vorzustellen, mit den Händen die inneren Organe zu ertasten.

Mit der Beherrschung des Pratyahara stellen sich die Fähigkeiten zur erhöhten Konzentrations- und Meditationsfähigkeit ein. Denn wer seine Sinneswahrnehmungen, die übrigens durchaus auch täuschend sein können, beherrscht, beherrscht den Geist, vermag Gedankenfluten anzuhalten und zeitweilig jedwede Körperwahrnehmung zu stoppen.

Yoga und Meditation bedeutet, nicht nur das körperliche Gefäß zu leeren, sondern gänzlich aufzulösen, um ein neues Gefäß zu erschaffen und reine Lebensenergie hineinfließen zu lassen.


Der erlösende wie heilsame Ausweg des Pratyahara beginnt also bei der Abzweigung einzelner Sinneswahrnehmungen, die von den anderen vier Sinnen separiert werden. Dies schult und entspannt gleichermaßen und war bereits vor Urzeiten eine hilfreiche Vorbereitung zur Meditation. Man kann beispielsweise damit beginnen, die Augen zu

schließen und gleichzeitig bewusst zu lauschen ... das entspannt. Mit geschlossenen Augen bewusst zu riechen oder zu schmecken, macht jene empfindlichen Sinne wieder spürbar, die meist vom Sehsinn und auch vom Hörsinn überlagert werden. Ganz erlebnisreich wird es, wenn man beginnt, bewusst mit Haut, Händen und Füßen die Beschaffenheit von Gegenständen zu ertasten und sich vom feinfühligen Tastsinn berauschen zu lassen, statt anhaltend Tastaturen oder Touchscreens zu bedienen. Neue, intensive Sinnesgefühle zu entflammen, lässt das "bewusste Bewusstsein" gegenüber der Außenwelt wieder wachsen,

statt als Schutz permanent Sinnesreize wegzudrücken und sie dabei doch ständig wahrzunehmen.


Am Arbeitsplatz oder in gewohnter Umgebung zu Hause ist die Praxis des Pratyahara ohne Übungserfahrung kaum noch möglich, jedoch bieten einige Urlaubstage eine wunderbare Gelegenheit, sich der fünf Sinne wieder bewusst zu werden. Die Sinne zu separieren – bewusst zu schauen, hören, riechen, schmecken und zu tasten –, lässt Körper und Geist gründlich entspannen und jeden Hotelaufenthalt zu einem tiefen, entspannten und regenerativen Erlebnis werden, das alle nötigen Reserven für den Lebensalltag wieder langfristig auftankt.

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