Waldbaden: Natur-Therapie aus Japan

Aktualisiert: 3. Nov 2019

Fast intuitiv zieht es die Menschen in den Wald, um vom hektischen Alltag Abstand zu nehmen und um neue Energie und frische Luft zu tanken.

In Japan geht man bereits seit Jahrzehnten einen Schritt weiter: Im Land der aufgehenden Sonne wird der Wald als Präventivmaßnahme gegen zahlreiche Erkrankungen aufgesucht. Shinrin-yoku wird das bezeichnet, was Millionen von Japanern im Jahr betreiben, um Körper und Geist etwas Gutes zu tun: Waldbaden.

Dabei geht es nicht um das Bad zwischen Buchen und Eichen – vielmehr bezweckt Waldbaden das Eintauchen in den Wald – und das mit allen Sinnen. Beim Waldbaden soll die Atmosphäre des Waldes ganz bewusst wahrgenommen werden. Dem Klang des Waldes lauschen, verschiedene Oberflächen wie Borke oder Moos aufmerksam betasten, die Luft tief einatmen und den Duft der Bäume genießen, das Licht und die Farben beobachten, sich Zeit nehmen, um all die Eindrücke aufzunehmen.

Der Wald als Heilmittel Bereits in den 80er-Jahren wurde die japanische Bevölkerung vom Landwirtschaftsministerium dazu motiviert, Shinrin-yoku zu praktizieren. Die Regierung förderte sogar ein umfangreiches Programm zur Erforschung der medizinischen Wirkung des Waldes auf den Menschen mit hohen Summen.

Mittlerweile ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Aufenthalte im Wald sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Waldbaden stärkt das Immunsystem, senkt den Blutdruck, reduziert Stresshormone, fördert die Konzentration und hebt die Stimmung. Auch die Schlafqualität kann durch das Waldbaden verbessert werden. Sogar eine gesteigerte Zahl der Killerzellen im menschlichen Organismus konnte Dr. Qing Li , Professor an der Nippon Medical School in Tokio und Vizepräsident der japanischen Gesellschaft für Waldmedizin, in einer seiner zahlreichen Feldstudien nachweisen.Dabei handelt es sich um die Zellen, die von Krankheitserregern befallene Zellen oder Krebszellen beseitigen.


Der renommierte Wissenschaftler rät, den Wald als vorbeugende Maßnahme regelmäßig für zwei bis vier Stunden aufzusuchen und sich dabei langsam fortzubewegen. Es geht beim Waldbaden nicht darum, sich körperlich auszupowern. Viel mehr soll erreicht werden, dass der Mensch wieder eine Verbindung zur Natur herstellt und das Waldambiente aufnimmt. Doch was steckt hinter der heilenden Kraft des Waldes? Können allein die vielen angenehmen Eindrücke die positiven Einflüsse auf den menschlichen Organismus bewirken?

Die Kraft der Terpene Zwar nehmen wir es nicht bewusst wahr, doch Bäume und Pflanzen kommunizieren untereinander. Dabei tauschen sie verschiedene chemische Verbindungen aus, etwa, um andere Pflanzen vor Schädlingen zu warnen. Einige dieser Botenstoffe enthalten Terpene. Werden diese unter Pflanzen ausgetauscht, fahren sie ihr Immunsystem hoch, um sich gegen die Angreifer zu wappnen. Auch das menschliche Immunsystem ist für diese Botenstoffe empfänglich, erklärt Autor und Biologe Clemens Arvay in einem Interview mit dem MDR.

Wenn das nicht nach einem wunderbaren Grund klingt, sich öfter mit allen Sinnen in das Abenteuer Wald zu begeben! Übrigens: In Heringsdorf auf der Ostseeinsel Usedom befindet sich Europas erster Heilwald, ein riesengroßes „Gesundheitsstudio“ im Freien.

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