Toxischen Beziehungen erkennen und beenden

Als Menschen sind wir soziale. Wesen, wir brauchen gesunde und stabile Beziehungen, um uns wohl und glücklich zu fühlen. Egal, ob Familie Freundschaft oder romantische Verbindungen - es tut uns gut, nicht allein zu sein und von anderen Menschen Unterstützung, Liebe und Verständnis zu empfangen.

Gesunde Beziehungen sind geprägt von einem ausgeglichenen Verhältnis von Geben und Nehmen. Wir teilen miteinander Freude und Leid, können zusammen lachen und Spaß haben, erhalten jedoch den nötigen Rückhalt in schwierigen Situationen, in denen es uns nicht gut geht oder wir in Not sind. Doch manchmal führen wir Beziehungen zu Menschen, die nicht von Liebe und Respekt geprägt sind, sondern die uns schwächen und auszehren, sogenannte ,,toxische" Beziehungen.


Woran erkenne ich eine toxische Beziehung?

Überlege dir, welche fünf Menschen dir am nächsten stehen. Tragen diese Menschen zu deinem Wohlbefinden bei, oder hast du das Gefühl, dass es jemanden unter ihnen gibt, der dein emotionales Gleichgewicht immer wieder ins Schwanken bringt? Wenn ihr zusammen seid, ist diese Zeit geprägt von schönen Momenten, einem Gefühl von Intimität, Vertrauen und Verständnis, oder entstehen immer wieder Gefühle von Ärger, Stress und Angst? Hast du das Gefühl, du kannst gegenüberjedem dieser Menschen so sein, wie du bist? Kannst du authentisch sein, sagen, was du denkst, deine Meinung offen vertreten

und sogar Kritik üben, oder hast du eher das Gefühl, in deiner Freiheit eingeschränkt zu sein? Hast du Angst, etwas Falsches zu sagen, und musst aufpassen, dass dein Gegenüber nicht wütend wird oder mit Unverständnis, Eifersucht oder Zorn reagiert?

Toxische Beziehungen können in vielerlei Gewändern auftreten. Alien gemein ist, dass sie dich nicht stärken, sondern an deinen Kräften zehren. Natürlich gibt es in jeder zwischenmenschlichen Beziehung Höhen und Tiefen. Es gibt Zeiten von Konflikten, Streit und Meinungsverschiedenheiten. Toxische Beziehungen sind davon geprägt, sich in einem Dauerzustand des Ungleichgewichts zu befinden. Im Folgenden einige Muster, an denen du solche Verbindungen erkennen kannst:


Missgunst und Neid

Es gibt Menschen, die dir ständig etwas neiden und eifersüchtig auf dich sind. Vielleicht hast du eine Freundin oder eine Schwester, bei der du das Gefühl hast, dass sie sich nie für dich freut. Statt deine Erfolge mit dir zu feiern, hat sie immer etwas auszusetzen, sie macht dich klein und sucht nach Kritikpunkten, um deinen Erfolg zu schmälern. Wenn sie sich für dich freut, wirkt es oft heuchlerisch und nicht von Herzen kommend. Sie vergleicht sich ständig mit dir und befindet sich in einem permanenten Konkurrenzkampf. Oft sind solche Personen von einem mangelnden Selbstwertgefühl getrieben, sie vergleichen sich mit dir und können es nur schwer ertragen, wenn dir etwas Gutes widerfährt.


Eifersucht

Ein Gefühl von Eifersucht muss nicht gleich krankhaft oder toxisch sein. Aber wenn du in einer Beziehung steckst, in der dein Gegenüber krankhaft eifersüchtig

ist, befindest du dich in einer toxischen Beziehung. Eifersucht kann in jeder zwischenmenschlichen Beziehung vorkommen. Ich hatte eine Freundin, die jedes Mal sehr eifersüchtig reagierte, wenn ich mich mit einer anderen Freundin traf. Sie dagegen verabredete sich sogar hinter meinen Rücken mit Freundinnen von mir, mit denen sie gar nichts zu tun hatte und von denen sie den Eindruck hatte, sie ständen mir sehr nahe. Spioniert dir dein Partner oder eine Freundin hinterher? Oder bringt er oder sie dir Vertrauen entgegen? Macht er oder sie dir ständig haltlose Vorwürfe und unterstellt dir Dinge, die du nie getan hast? Kannst du dein Handy gedankenlos herumliegen lassen, oder musst du Sorge haben, dass dein Partner es nimmt, um deine Nachrichtenverläufe zu lesen? Kannst du unbefangen von Treffen mit anderen Menschen berichten, oder musst du dann mit der Missgunst deines Gegenübers rechnen?


Lass die Menschen gehen, die dir nicht gut tun


Egozentriker

Vielleicht kennst du einen Menschen, der sich immer nur um sich selbst dreht. Der das Konzept, an erster Stelle zu stehen, irgendwie missverstanden hat. Der gesunden Egoismus mit Egozentrik verwechselt. Solche Menschen reden am liebsten ständig von sich selbst und interessieren sich weniger dafür, wie es uns eigentlich geht. Sie heißen es gut, wenn wir ihre Meinung vertreten, eine andere Meinung jedoch fassen sie schnell als Angriff gegen sich auf. Sie interpretieren Situationen oft ganz anders, als sie gemeint sind, und fühlen sich leicht tief verletzt. Sie empfinden es womöglich als Zurückweisung, wenn wir nicht so handeln, wie sie es sich wünschen, wenn wir Zeit mit anderen verbringen oder zum Beispiel eine Einladung nicht wahrnehmen können. Häufig können solche Menschen Fehler nicht verzeihen und sind sehr nachtragend. Auch nach Jahren noch kommen sie nicht aus ihrer Verletzung heraus und werfen uns einen bestimmten Vorfall immer wieder vor.


Kritiker

Ein gesundes Maß an Kritik sollten wir uns von jedem Menschen, mit dem wir in einer Beziehung stehen, wünschen. Eine zweite Meinung von jemandem einzuholen, der nicht in der eigenen Haut steckt, kann sehr wichtig sein. Ebenso ist es wertvoll, den Blickwinkel eines anderen kennenzulernen oder auch eigenes Fehlverhalten respektvoll gespiegelt zu bekommen. Toxisch wird es, wenn mein Gegenüber mir das Gefühl gibt, nichts richtig machen zu können. Wenn ich ständig für alles, was ich tue, kritisiert werde und immerzu klein- und niedergemacht werde.


Negativisten

Manchmal äußert sich eine toxische Beziehung einfach darin, dass uns Menschen als seelische Mülleimer benutzen, die immer alles negativ sehen. Schon bei dem Gedanken an ein Treffen mit solchen Menschen fühlen wir uns meist müde und ausgelaugt, denn während des Beisammenseins wird in einem Fort gejammert - über Gott und die Welt und darüber, wie schlecht und ungerecht alles ist. Meistens geht es diesen Menschen nicht darum, wirklich Hilfe zu bekommen, sondern sie wollen sich einfach nur ausheulen und Dampf ablassen. Ein Drama reicht sich an das nächste, aber unser gut gemeinter Rat will weder gehört noch befolgt werden. Es ist hier keine Lösung gefragt, im Vordergrund steht allein das Bedürfnis, sich mitzuteilen.


Manipulation

Es gibt Menschen, die geborene Manipulatoren sind. Für sie bist du ein gefundenes Fressen, wenn du zu denen gehörst, die Konfrontation meiden, es gut mit anderen meinen, gerne viel geben, für andere tun und machen und große Schwierigkeiten damit haben, Nein zu sagen und sich abgrenzen. Manipulatoren schaffen es, dass du dich schnell schuldig fühlst und ein schlechtes Gewissen hast. Oder sie quälen dich so sehr mit ihren wütenden, kühlen, oder abweisenden Art, dass du alles tust, damit sie wieder freundlich und lieb zu dir sind – auch in Situationen, in denen du eigentlich jedes Recht dazu hättest, wütend auf sie zu sein und eine Entschuldigung von ihnen zu verlangen.


Warnzeichen dafür, in einer toxischen Beziehung festzustecken, können sein:

  • Du hast das Gefühl, deine eigene Meinung nicht äußern zu dürfen.

  • Du lebst hinsichtlich der betreffenden Person in ständiger Angst, etwas falsch zu machen, und überlegst von allen Handlungen und Äußerungen genau, welche Reaktionen sie bei deinem Gegenüber auslösen könnten. Bei dem Gedanken daran, dich mit der Person zu treffen, kommen negative Gefühle in dir hoch. Du verspürst innere Unruhe, Angst, Unlust, Anspannung oder Kraftlosigkeit.

  • Du hast gegenüber der Person nicht das Gefühl, authentisch sein zu können, wachsen zu dürfen und dein Leben entfalten zu können. Du fühlst dich von dieser Person nicht angenommen und wertgeschätzt, so wie du bist.

  • Du erfährst in der Beziehung mehr Kritik als Bestärkung.

  • Du erlebst keine oder kaum noch schöne Momente mit der Person zusammen.

  • Nach euren Zusammenkünften fühlst du dich ausgelaugt, müde oder kraftlos. Vielleicht plagen dich vor, während oder nach dem Treffen Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Übelkeit.

  • Du spürst in der Beziehung kein Vertrauen oder fühlst dich nicht unterstützt.

  • Du vernachlässigst für die Person deine Hobbys und Interessen.

  • Du merkst, dass du dich gegenüber anderen immer wieder über diese Person ausweinst oder sogar hinter ihrem Rücken über sie lästerst, um dich auszukotzen, deinen Frust loszulassen, den du ihr gegenüber nicht offen zeigen kannst, und dir Rückendeckung und Zuspruch von anderen zu holen

Es gibt sicherlich keinen angenehmen Weg, um Beziehungen jeglicher Art zu beenden. Oftmals ziehen wir deshalb keinen Schlussstrich, weil wir den anderen nicht verletzen wollen. Doch wenn du in einer toxischen Beziehung steckst, bist du der Mensch, der leidet. Es geht darum zu lernen und im Bewusstsein zu haben, dass du das Recht darauf hast, gut behandelt zu werden, und du verdienst ausgeglichene, bereichernde Beziehungen. Mache dir bewusst, dass du der wichtigste Mensch in deinem Leben bist.


Auf Abstand gehen

Wenn du es nicht sofort schaffst, dich aus einer solch destruktiven Beziehung zu befreien, versuche, so gut wie möglich auf Abstand zu gehen. Achte darauf, jegliche Interaktion zwischen euch auf ein Minimum zu reduzieren. Bist du so mutig, dann schenke deinem Gegenüber reinen Wein ein. Höchstwahrscheinlich wird der oder die Betroffene keine Einsicht zeigen. Aber es kann hilfreich für ihn oder sie sein, Gründe für deine Entscheidung zu kennen.


Versuche standhaft zu bleiben und jegliche Bindungen wirklich zu kappen. Die Trennung tut wahrscheinlich nicht nur der betroffenen Person, sondern auch dir weh. Erlaube dir, um die Freundschaft oder Partnerschaft zu trauern, um all das, was euch einst verbunden hat. Aber achte darauf, dich weder erneut einwickeln zu lassen, noch dich von dem gekränkten Stolz oder der Wut deinen Gegenübers verletzen zu lassen.

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