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Mikroplastik in Teebeuteln: Das kommt mir nicht in die Tüte!

Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen bewusst auf Plastik verzichten wollen. Dabei unterschätzen sie jüngsten Untersuchungen zufolge aber scheinbar eine alltägliche Gefahrenquelle: Herkömmliche Teebeutel bestehen nämlich nicht ausschließlich aus bio-logisch abbaubarer Zellulose, sondern können auch unsichtbares Plastik enthalten. Eine neue Studie hat nun gezeigt, dass aus diesen Teebeuteln winzige Kunststoffteilchen mit einer Größe zwischen 100 Nanometern und fünf Millimetern freigesetzt werden. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind derzeit nicht bekannt.

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Abwarten und Tee trinken? Nathalie Tufenkji und ihre Kollegen von der McGill University in Montreal wollten wissen, ob beim Teebrühen winzige Mikro- und Nanoplastikpartikel aus Teebeuteln freigesetzt werden können. Dazu untersuchten sie vier Teesorten, die in Plastikteebeuteln verpackt waren. Sie schnitten die Beutel auf, entfernen den losen Tee und reinigten die leeren Beutel. Auf diese Weise gingen die Forscher sicher, dass die im Tee enthaltenen organischen Verbindungen die mit den verwendeten Analysetechniken erzielten Ergebnisse nicht beeinflussen konnten. Jene Beutel wurden anschließend in 95 °C heißes Wasser gegeben, um die Bedingungen für das Aufbrühen von Tee zu simulieren. Anschließend untersuchte die Wissenschaftler das Getränk mit einem Elektronenmikroskop.

Einen im Tee haben Die Ergebnisse waren schockierend: Es stellte sich heraus, dass aus einem Teebeutel etwa 11,6 Milliarden (!) Mikroplastikpartikel und 3,1Milliarden (!) Nanoplastikpartikel in das Getränk freigesetzt wurden. Um zu verifizieren, dass diese aus den Beuteln stammten, verwendeten die Forscher die Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie (FTIR) und die Röntgenphotoelektronenspektroskopie (XPS). Beide Methoden bestätigten, dass es sich beim im Wasser vorhandenen Kunststoff um Nylon und Poly(ethylenterephthalat) handelte - dieselben Materialien, aus denen die Beutel hergestellt waren. Ähnliche Experimente wurden mit ungeöffneten Beuteln durchgeführt, um sicherzustellen, dass nicht das Öffnen zum Freisetzen des Kunststoffs führte. Die Ergebnisse schlossen diese Möglichkeit jedoch aus.

Gefahr für den Menschen? Die Menge an Nylon- und Polyethylenterephthalat, die aus Teebeuteln freigesetzt wird, ist um ein Vielfaches höher als die Menge an Kunststoff, die in anderen Lebensmitteln enthalten ist, sagen die Forscher. Um die potentielle Toxizität der Partikel zu testen, setzten die Forscher Daphnien – kleine Krebstiere die aus dem Nahrungsnetz des aquatischen Ökosystems nicht wegzudenken sind – dem kontaminierten Wasser aus. Die Tiere über-lebten, es wurden jedoch Verhaltens- und anatomische Abnormalitäten beobachtet. Es ist derzeit nicht bekannt, ob sich Kunststoff gleichermaßen negativ auf den Menschen auswirkt.

Losen Tee kaufen Die Wissenschaftler schließen, dass weitere Forschung betrieben werden muss, um mög-liche gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen zu verstehen. In der Zwischenzeit schlägt Tufenkji vor, dass Verbraucher Plastikteebeutel meiden sollten und stattdessen beispielsweise auf losen Tee zurückgreifen. Für diesen werden oftmals nur junge Teeblätter verwendet, die über einen höheren Anteil an ätherischen Ölen verfügen. Zudem ist er individuell dosierbar.

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