Loslassen und bewusster Leben

Aufräumen ist für viele von uns mit negativen Gefühlen verbunden. Aufräumen bedeutet, etwas wegzuwerfen, sich also von diesem Gegenstand zu trennen. Und Trennung bedeutet häufig Schmerz. Wir können diese belastende Trennung jedoch in ein befreiendes Loslassen umwandeln und dadurch viel positive Energie (zurück-) gewinnen.

Die Gegenstände in unserem Besitz sollten uns einen Nutzen bringen. Sie sollten einen Wert für uns haben. Der Nutzen kann einerseits sein, dass wir den Gegenstand im Alltag benötigen, wie beispielsweise die Zahnbürste. Der Nutzen kann andererseits sein, dass wir eine ausgesprochene Freude an diesem Gegenstand haben, wie beispielsweise an unserer Lieblingsbluse. In beiden Situationen lösen die Gegenstände schöne und positive Gefühle in uns aus. Das gibt uns Energie und Freude am Leben.

Doch was ist mit dem Gegenteil? Also mit all den Dingen, die uns nicht guttun? Beispielsweise Dinge, die belastende Erinnerungen in uns hervorrufen, wie der Lieblingspulli vom Ex-Freund, der seit Jahren in unserem Kleiderschrank liegt. All diese Gegenstände stellen Ballast dar. Sie verursachen Unzufriedenheit und Stress, nehmen uns die Lebensfreude und manchmal sogar die Gesundheit. Dennoch fällt es uns häufig schwer, diesen Ballast abzustreifen. Dies kann daran liegen, dass wir im Alltagsstress gar nicht realisieren, dass ein Gegenstand der Auslöser für unsere schlechte Laune ist. Zudem assoziieren wir mit einer Trennung, z.B. von einem Gegenstand, häufig automatisch Schmerz.


Loslassen lernen

Was können wir tun? Die Antwort liegt in den „drei V“: Verständnis, Verstehen und Vertrauen.


Mit Verständnis ist ein Verständnis für die aktuelle Situation gemeint, also eine Bereitschaft, die Vergangenheit und das IST anzunehmen. Wir brauchen uns beispielsweise für eine unaufgeräumte Wohnung weder vor anderen noch vor uns selbst zu rechtfertigen. Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Wir können sie jedoch akzeptieren und als Weg in unsere Zukunft betrachten.


Beim Verstehen geht es darum, uns selbst mit all unseren Gefühls- und Verhaltensmustern besser kennenzulernen. Zu ergründen und uns bewusst zu machen, was uns wichtig ist und was uns Freude macht. Dies ist ein Lernprozess, in dem wir uns in Bezug auf die verschiedenen Gegenstände in unserem Leben bewusst Fragen stellen. Welchen Wert hat dieser Gegenstand für mich? Löst er Positives oder Negatives in mir aus? Macht er mich traurig oder glücklich? Benötige ich ihn oder ist er mir im Weg? Hilft er mir, meine Wünsche und Träume zu realisieren oder behindert er mich daran? Mit diesen Fragen lernen wir, welche Gegenstände welchen Nutzen für uns haben. Alles, was in die Kategorie „Positiv“ fällt, darf bleiben und alles, was in die Kategorie „Negativ“ fällt, darf gehen. Wir erkennen nun, dass uns der Ballast bisher die Lebensfreude genommen hat. Eine Trennung von diesen Gegenständen bringt uns positive Energie zurück. Auf diese Art und Weise ist eine Trennung nichts Schmerzhaftes, sondern etwas Befreiendes. Wir können loslassen.


Durch ein Vertrauen in die Zukunft in Verbindung mit dem Loslassen von Ballast sind wir in der Lage und haben die notwendige Energie, uns auf Neues einzulassen. Das Vertrauen ins Loslassen hat bereits der chinesische Philosoph Lao Tse sehr passend beschrieben:


„Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte.

Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich, was ich brauche.“


Aufräumen und Neues begrüssen

Mit diesem Bewusstsein über die schönen und erfreulichen Konsequenzen des Loslassens, fällt es uns einfacher, zu Hause aufzuräumen. Wir lernen auf diese Weise, dass Aufräumen und Loslassen keine Kritik an der Vergangenheit sind. Das grosse Familienauto oder das Hobby Schwimmen war in der Vergangenheit genau das Richtige für uns. Allerdings haben sich unsere Lebensumstände oder wir selbst uns so verändert und weiterentwickelt, dass es heute nicht mehr stimmt. Loslassen heisst Platz schaffen für die schönen und wichtigen Dinge in unserem Leben. Loslassen heisst, sich auf Neues einzustellen und es freudig zu begrüssen. Nun haben wir den Kopf frei, um endlich mit dem Malen zu beginnen. Nun haben wir die Schränke wieder frei, um die neue Ausrüstung, die wir hierfür benötigen, unterzubringen.


Bewusster leben

Dank dieser Erkenntnis können wir achtsamer durchs Leben gehen: Weder der Vergangenheit mit all seinem materiellen Besitz nachtrauern, noch geplagt von Verlustängsten in die Zukunft blicken, sondern im Moment leben und diesen geniessen. Mit dieser Einstellung und inneren Ruhe können wir bereits beim Einkaufen bewusst entscheiden, was und wieviel wir einkaufen und ob ein neuer Gegenstand wirklich in unserem Leben einen Platz bekommen soll. Getreu dem Motto „lieber weniger, dafür besser“ (z.B. biologisch und lokal produziert) führt das Aufräumen und Loslassen zu einem achtsameren und bewussteren Leben, zu mehr Wohnqualität und Lebensfreude.

Jutta Klein ist Professional Organizer und lebt im Kanton Zug in der Schweiz. Sie hat ihre eigene Aufräummethode „Diamond for Life“ entwickelt und ist Autorin des Buches „Diamond for Life: Wie Sie durch Ordnung und Klarheit ein erfülltes Leben führen“. (www.juttaklein.ch)

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