Lass mal reden, Bro! – Kinder in der Pubertät

Die Pubertät ist eine riesengroße Herausforderung – für die Jugendlichen genauso wie für die Eltern.

Von knallende Türen, provokatives Verhalten, zugemüllte, miefige Zimmer, beleidigte Mienen, hitzige Ich-hab-Recht-Diskussionen, Null-Bock-auf-gar-nichts bis hin zu Liebesdramen.


Dieser Lebensabschnitt hat einfach einen schlechten Ruf und sorgt in den meisten Familien regelmäßig für Streitereien mit Wut, Tränen, Verzweiflung und blanken Nerven bei allen Beteiligten. Die Pubertät ist eine Zeit, in der ein Jugendlicher vom Kind zum Erwachsenen wird. In dieser Zeit – zwischen 10 und 18 Jahren findet eine Entwicklung des Jugendlichen auf der körperlichen, sozialen und physischen Ebene statt.


Und auch, wenn längst wissenschaftlich er- und bewiesen ist, dass unsere Heranwachsenden überhaupt nichts dafür können, weil sich in diesen Jahren des Erwachsenwerdens die vorderen Gehirn-Regionen noch mal komplett ändern und erweitern, fehlt uns vielleicht manchmal das Verständnis für diese, sagen wir, besondere „Phase“. Alles, was wir als Eltern in dieser Zeit tun können, ist gute Vorbilder zu sein, denn wenn wir ehrlich sind, können wir unsere Teenager gar nicht vor Ärger bewahren. Sie sind „keine“ Kinder mehr, sondern junge Erwachsene, ausgestattet mit allem, außer Erfahrung. Diese Phase zu überstehen gelingt besser, wenn wir versuchen, sie als Heranwachsende zu behandeln und zu einem gewissen Grad anleiten. Ein Jugendlicher hat in dieser Zeit eine Reihe von Aufgaben zu bewältigen, die mit Sicherheit oftmals eine Überforderung darstellen. Ein eigenes Standing entwickeln, Veränderungen des Körpers akzeptieren, eine neue Identität entwickeln, die eigene Sexualität entwickeln und sich noch mehr von den Eltern ablösen.


Anerkennung ist auch ein wichtiger Aspekt: Sie müssen neue Rollen in Freundschaften übernehmen Abgrenzung und Durchsetzungsvermögen lernen und mit Gleichaltrigen mithalten, um anerkannt zu werden. Sie reagieren in bestimmten Situationen mit Unsicherheit, sind impulsiv und übermäßig empfindlich. Erinnern uns diese Stimmungsschwankungen nicht an die frühere Trotzphase? Tatsächlich wird diese auch durch Wachstumsschübe und hormonelle Veränderungen verursacht und daher die „kleine Pubertät“ genannt.


Diese „Phase“ haben wir auch überstanden mit viel Selbstbewusstsein, Verständnis, Geduld und Liebe.


Expertentipps, wie Eltern die Pubertät überleben

  • Bleibe mit deinem Kind im Gespräch: Stelle nicht so viele Fragen, sondern erzähle von deinen Gefühlen, Gedanken und Erlebnissen, Ansichten und Meinungen über das Leben.

  • Vertraue deinem Teenager: Er wird nicht alles richtig machen. Aber stelle die Ehrlichkeit und gute Absichten in den Vordergrund. Sie befinden sich nur in der Lernphase und können aus der Erfahrung heraus nicht alle Entscheidungen richtig treffen.

  • Es kann nicht immer alles erfolgreich sein: Sie versuchen ihr Bestes in der Schule, im Beruf, oder im Haushalt. Lobe für das Bemühen und nicht für das resultierende Ergebnis. Ein Lob stärkt das Selbstvertrauen. Das Positive zu stärken, was gut gemacht wurde.

  • Klare Regeln schaffen: Mit der Aufforderung „Räum dein Zimmer auf“ stößt man schnell auf „Durchzug“. Besser sind Hausregeln für alle. Wir sind alle für die Ordnung und Sauberkeit zuständig. Wichtig ist auch der Rahmen der Privatsphäre der anderen Familienmitglieder. Die Regeln können gemeinsam aufgestellt und in einem gleichwertigen Gespräch diskutiert werden.

  • Streiten und schimpfen, mit Respekt und auf Augenhöhe: Du willst nicht öffentlich kritisiert werden, dann halte das auch bei deinem Teenager ein. Auch wenn wir über mehr Erfahrung verfügen, sollten wir nicht provokativ, ironisch oder höhnisch sein mit Ausdrücken wie „Hab ich dir doch gesagt“ oder „das wusste ich schon vorher“. Aus der Hilflosigkeit heraus machen wir unseren Gegenüber nur noch mehr aggressiver. Sollten sich doch die Fronten verhärten – gönnt euch eine kleine Verschnaufpause.

  • Mit Respekt begegnen: Auch wir Erwachsene reagieren einmal über und wer überreagiert, sollte sich auch auf Augenhöhe entschuldigen. Jugendliche machen nicht bewusst Fehler. Sie versuchen nur im Großen und Ganzen alles richtigzumachen. Du machst auch Fehler, dann gestehe sie auch deinen Kindern zu. Es geschieht bestimmt nur wenig aus Böswilligkeit oder Selbstsucht.

  • Berührung, Liebe und Geduld: Jugendliche sind einem enormen Druck von innen und außen ausgesetzt. Körperliche Zuwendung kann sogar das Gegenteil bewirken, denn für Zärtlichkeiten sind sie längst zu groß. Doch eine Umarmung kann mehr bewirken als jedes Gespräch.

Auch wir waren mal Teenager und haben diesen Weg bestritten. Hast du noch Erinnerungen oder Gefühle zu dieser Zeit? Vielleicht helfen sie dir dein Kind besser zu verstehen. Wichtig ist: Gehe mit deinem Kind diesen Weg gemeinsam und findet immer eine Basis für einen gemeinsamen Weg zur Kommunikation. Auch wir Erwachsene können noch lernen!


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