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Kindheitsträume: Auf der Suche nach dem Happy End

Aktualisiert: 23. Okt 2019

Als junges Mädchen konnte ich stundenlang mit meinen Puppen spielen. Tief versunken in meine Gedanken und Fantasien. Nicht selten formte sich dabei in meinem Kopf eine Welt, in der ich alles Mögliche war und alles Mögliche konnte. Ohne Plan - nur Träume. Und dann kam das Leben....


Manchmal reden Erwachsene davon, wie schön es war, ein Kind zu sein, sie träumen sogar davon, wieder eins zu sein. Aber wonach sehnen sie sich denn zurück? Nach der Einfachheit ihrer Weltsicht, danach, nie weiter als bis zum Nachmittag denken zu müssen oder, dass nach einem großen Schokoladeneis auch der schlech-teste Tag vergessen sein kann?


Warum machen Kindheitsträume sprachlos?

Ich habe mich auch oft gefragt, warum es in meinem Leben so gekommen ist, wie es letztendlich eintrat: Am Ende meiner Schulzeit stellte uns eine Lehrerin folgende Frage: „Was wollt ihr nach der Schule machen?“ Die Antworten kamen schnell: Medizin studieren, Bankkaufmann werden, Deutsch und Sport auf Lehramt, Soziologie, ein FSJ, am liebsten im Ausland… Es gab zahlreiche Pläne und Ideen und den Wenigsten fiel es schwer, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Doch unsere Lehrerin schien damals nicht zufrieden zu sein mit diesen Antworten.


Sie hat uns eine Weile angeschaut und dann sagte sie: „Welchen Weg würdet ihr gehen, wenn ihr unabhängig von all den Erwartungen um euch herum, von der Gesellschaft, euren Eltern und Freunden seid? Es ist nicht wichtig, wie viel ihr einmal verdienen und ob ihr überhaupt einen Arbeitsplatz bekommen werdet. Wie würde eure Entscheidung lauten?“ Was darauf folgte, war ein sehr langes, teilweise bedrücktes, aber auch nachdenkliches Schweigen. Warum macht uns diese Frage nach unseren Kindheitsträumen so sprachlos? Liegt es daran, dass wir es einfach nicht gewohnt sind, danach gefragt zu werden und dass jemand dann auch noch eine ehrliche Antwort erwartet? Es gehört zum Erwachsenwerden dazu, dass man sich im Laufe seines Lebens gewissen Realitäten, Erwartungen und einer Machbarkeit stellen muss. Zum Beispiel im Kindergarten oder im Fußballverein träumen viele Jungs von einer Karriere als Profifußballer, Revolverheld, Feuerwehrmann oder Manager. Der kindlichen Fantasie ist keine Grenze gesetzt. Rückblickend gab es für den ein- oder anderen einige Momente, in denen er sich wohl entscheiden musste, in welche Richtung es jetzt weitergeht, weil er nicht das notwendige Talent mitgebracht hat. Oder es einfach anders für ihn entschieden wurde, manchmal ziemlich radikal.


Respekt vor dem Leben

Erwachsene reden, gerade wenn es um die Ideen und Träume aus ihrer Kindheit geht, von kindlicher Naivität. Wir leben in einer Gesellschaft, die Kindheitsträume schon einmal als Leichtsinn abtut und es gerne sieht, wenn sich Menschen anpassen. Je mehr wir uns in den sozialen Netzen der Gesellschaft verfangen, desto mehr Erwartungen, Ansprüchen und Einschränkungen begegnen wir. Je anpassungsfähiger wir sind, desto einfacher kommen wir weiter. Fremdgelenkt geben wir dem Leben eine neue Richtung: Kurzfristig werfen wir unsere Lebenspläne über den Haufen und treffen Entscheidungen, wo wir am besten kein Risiko eingehen müssen. Mit dem Strom schwimmen ist immer leichter! Aber gelange ich dabei an mein persönliches Ziel, das auch meinen Träumen entspricht?


Wendeeuphorie

Es macht fast ein bisschen den Eindruck, als sei für den Luxus, sich seine Träume zu erfüllen, kaum noch Platz. Am Anfang unserer Kindheit waren wir mutiger und naiver in unseren Kindheitsträumen. Sie waren weniger radikal und abgesichert, weil wir für uns, unser Leben und die restliche Welt nicht so verantwortlich gefühlt haben.

Auf die zunehmende berufliche Unsicherheit, durch befristete Arbeitsverträge, die vielen offenen Bildungs- und Erziehungsfragen und die wachende Altersarmut, hat ein Wandel der Werte stattgefunden. Und, gerade in der jungen Generation, sind Werte wie Sicherheit, Beständigkeit und Pflichtbewusstsein wieder deutlich wichtiger geworden. Es gibt einfach weniger Gründe nach Autonomie oder Selbstverwirklichung zu streben. Die Welt seht uns offen und gleichzeitig fehlt es uns zwischen all den Möglichkeiten an Orientierung.

Doch, da gibt es noch die Kindheitsträumer, die mit einem Abi-Durchschnitt von 2,3 um einen Studienplatz für Medizin kämpfen. Oder ein Schauspieler, der keine Aussicht auf eine Anstellung hat und jetzt Kunst studiert. Sie stoßen wahrscheinlich auf wenig Verständnis und Ansehen in der Gesellschaft. Aber auch sie verdienen Bewunderung und Respekt, weil sie für sich vielleicht den schwierigeren Weg gewählt haben.


Träume im Wandel der Zeit

Ich habe damals eine Ausbildung als Werbekauffrau gemacht und bin noch heute in meinem erlernten Beruf tätig, wie viele andere auch. Bin ich deshalb wirklich weniger mutig? Oder vielleicht angepasster? Bin ich zwangsläufiger unglücklicher, als diejenigen, die ihren Kindheitstraum leben? Wohl kaum. Es gehört doch mindestens genau so viel Mut dazu, sich einzugestehen, dass nicht jede Idee, die man hatte, unbedingt in die richtige Richtung geht. Denn mit der Entwicklung der Persönlichkeit, mit dem Festmachen von Werten und Überzeugungen, haben nicht nur wir uns verändert, sondern eben auch unsere Träume.


Wichtige Begleiter

Jeder Mensch geht seinen eigenen Weg, der Kraft und den Glauben an sich selbst braucht.

Es gibt Momente in deinem Leben, wo dich das Schicksal auf dem Kieker hat oder es dich so richtig von den Brettern haut. Doch da gibt es immer Menschen, die dabei helfen, den Glauben an sich nicht zu verlieren. Sie nehmen dich an die Hand oder treten dir kräftig in den Hintern, damit du wieder in Bewegung kommst. Sie helfen dir, wieder die richtige Spur zu finden und den Weg weiterzugehen. Einen Weg, auf dem sicher noch die eine oder andere Überraschung auf dich wartet. Aber am Ende sind wir doch alle nur auf der Suche nach dem Happy End. Egal ob mit oder ohne Kindheitsträume…

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