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Frauen brauchen mehr Vorbilder

Wie schlecht es um die Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen ist, wissen wir bereits. Wenn Britta auf Partys erzählt, dass sie bei der Feuerwehr arbeitet, ist die Reaktion häufig: „Aha, im Büro?“ Dass die 28-jährige Frau mit dem blonden Zopf einen Feuerwehrwagen fahren, Brände löschen und Personen aus Gebäuden retten kann, das können die meisten sich zuerst nicht vorstellen.

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Ein Großteil der Freuerwehrleute arbeitet ehrenamtlich. Der Anteil an Berufsfeuerwehrfrauen liegt nur bei 1,4 Prozent. Ehrenamtlich kommen auf 100 aktive Feuerwehrleute nur neun Frauen. Britta liebt ihren Beruf als Brandmeisterin. Dass viele zunächst glauben, sie sei in der Verwaltung tätig, findet sie ziemlich absurd: „Mich könnte man nicht hinter einen Schreibtisch setzen. Ich brauche Abwechslung.“

Britta ist die Jüngste und die Kleinste auf ihrer Wache. Gibt es deshalb manchmal Probleme?

„Nee“, sagt Britta. „Ich gehöre zum Team wie alle anderen und packe auch genauso mit an.“ Mit ihren 1,63 Metern sieht sie im Fahrerhäuschen winzig aus. Aber durch die Unterschiede profitiert die Gruppe. Sie passt zum Beispiel durch kleine Eingänge und Fenster. Sprüche bekommt sie manchmal. Diese machen ihr aber keine Probleme: "Ich nehme diese Gags einfach mit Humor und kontere einen gekonnten Spruch zurück." Der Bundesfeuerwehrverband hat sich die Gleichstellung von Frauen und Männern auf die Agenda gesetzt. Doch wächst der Frauenanteil nur sehr, sehr zögerlich.


Früher waren die Männer froh unter sich zu sein

Auch in anderen Berufszweigen ist die unternehmerische Spitze eher männlich. In Deutschland kommen auf eine weibliche Führungskraft mindestens zwei männliche. Woran liegt das?


Frauen ergreifen immer noch weniger Führungspositionen als Männer. Sie befürchten, dass ein Job, der traditionell von Männern ausgeübt wird, sie überfordert oder sich gar nicht erst vorstellen können, dass sie für diese Topposition qualifiziert sind. Diese Sorgen sind oft unbegründet. Früher wollten die Männer eher unter sich sein. Diese Zeit ist zum Glück vorbei. Nicht selten profitiert das Betriebsklima von den gemischten Geschlechtern. Doch ein Punkt bleibt immer noch schwierig: Die Kombination aus dem "harten Business" und dem Familienleben. Frauen schauen bei der Berufswahl mehr auf die Familientauglichkeit, als Männer. Spontane Einsätze oder unvorhersehbare Arbeitszeiten, kann der Alltag mit Kindern kompliziert machen. Das schreckt leider viele Frauen ab. Nicht selten kämpfen Frauen noch in der heutigen Zeit mit „sexistischen Sprüchen“ und einer Festlegung auf „,frauenspezifische Tätigkeiten“. Umfragen zeigen, dass sich Frauen die Anerkennung der Männer erst erarbeiten müssen. Wie groß das Problem der Diskriminierung insgesamt ist, sagen keine tatsächlichen Zahlen.


Frauen brauchen Vorbilder

Frauen orientieren sich auch gerne an Vorbildern. Sie inspirieren, motivieren und zeigen neue Möglichkeiten für die eigene Entwicklung auf. Weibliche Vorbilder machen den entscheidenden Unterschied für Frauen: Sie können sich mit einem weiblichen Vorbild viel mehr identifizieren als dem männlichen Ebenbild und sehen ihre Erfolge auch für sich mehr als realistisch erreichbar an.


Leider baut sich die Barriere in männlich geprägten Berufen nur sehr langsam ab. Was hilft? Einfach mit dem Beruf in Kontakt kommen und hineinschnuppern. Nur das hilft Klischees zu korrigieren. Heute können die Eltern die Berufswahl viel mehr inspirieren. Für Feuerwehrfrau Britta spielte die Geschlechterfrage bei der Berufswahl übrigens keine Rolle. Sie ist verheiratet und möchte sich in naher Zukunft eine Familie aufbauen: „Wenn es soweit ist, werden wir verhandeln, wer wie viel arbeiten kann.“ Mit guter Absprache klappt das dann schon irgendwie.“

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