Die "neuen Kinder"

Aktualisiert: 8. Okt 2018

Kinder heute ins Leben zu begleiten, ist eine anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe. Viele Rahmenbedingungen haben sich geändert, unsere Welt ist freier und reicher, teilweise aber auch starrer und in gewisser Hinsicht ärmer geworden.

Beispielsweise gibt es heute nur noch selten Großfamilien, und viele Mütter gehen frühzeitig aus wirtschaftlichen oder arbeitsrechtlichen Gründen arbeiten oder weil sie es einfach wollen. Einige von ihnen können sich nicht vorstellen, sich jahrelang ausschließlich um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern.


Es scheint, dass wir in festgefahrenen gesellschaftlichen Strukturen leben, die sich über Jahre wohl so sehr bewährt haben, dass keine Notwendigkeit gesehen wird, diese zu verändern. Wenn wir die politischen Gegebenheiten um uns herum verfolgen, scheinen diese Strukturen weltweit seit ein paar Jahren zu bröckeln und weisen in eine ungewisse Zukunft.


Aus seiner Praxis weiß der Autor und Arzt Michael Seefried, dass Kinder und Heranwachsende immer noch in einer „fertigen“ Welt leben. In dieser Welt scheinen neue Ideen weniger gefragt als noch in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Als Arzt erlebt er Eltern, denen es auf Grund des vielfältigen Angebotes schwerfällt, sich auf wesentliche Fragen zur Entwicklung und Erziehung ihrer Kinder zu konzentrieren. Die Vielfalt der Angebote erschwert die Antwort auf viele Fragen, wie z. B.: Wie können wir ein den Bedürfnissen des Kindes angepasstes Zuhause schaffen? Welches Umfeld und welche Gelegenheiten ermöglichen es dem Kind, seine eigene Kreativität und Phantasie zu entdecken und zu entwickeln? Sollen wir unser Kind fördern? Und wenn ja wie intensiv?


Bereits die Kleinsten sind heute einer nie da gewesenen Reizflut ausgesetzt: musikalische Berieselung an vielen Orten, Verkehrslärm, TV, PC, Handy und Internet sind beim Einkaufen, manchmal auch bei Arztbesuchen sind allgegenwärtig. Was macht diese Reizüberflutung mit den Kindern von heute, insbesondere mit den sogenannten „neuen Kindern“?

Viele dieser Kinder spüren z. B. geradezu körperlich, wie es den Anwesenden geht. Sie nehmen selbst feinste Schwingungen wahr. Das führt nicht selten zu erheblichen Schwierigkeiten in Schule und Familie. Die Betroffenen fallen mit ihren daraus resultierenden sozialen Bedürfnissen aus dem üblichen Rahmen und benötigen eine andere – auf sie abgestimmte - Begleitung in Schule und Alltag, nämlich die Begleitung der sozialen und emotionalen Entwicklung.

Krank sind diese Kinder jedenfalls nicht, Michael Seefried nennt sie die „neuen Kinder“.

Der Autor hat seine langjährigen Erfahrungen vor dem Hintergrund seiner ganzheitlichen Betrachtungsweise zusammengefasst. Mit seinem Buch „Kommt ein Kind zum Arzt – Dem Leben mit Zuversicht begegnen“ möchte er für die Herausforderungen im Umgang mit Kindern sensibilisieren und zeigt anhand von Praxis-Beispielen Lösungsmöglichkeiten auf. So ist „Begegnung als Heilungsimpuls“ ein leitendes Motto für ihn geworden. Ziel ist es, die Verantwortlichen zu sensibilisieren und ihre Wahrnehmung zu schulen, um Antworten auf die vielen Fragen im Umgang mit Kindern zu finden - sowohl im Bereich der Entwicklung, Erziehung und Krisenbewältigung als auch bei Krankheiten.


Michael Seefried ist Mitbegründer des Paracelsus Zentrum Sonnenberg-Zürich und maßgeblich an der Waldorfschulinitiative Erlbach beteiligt. Im Sommer 2018 wurde die Freie Waldorfschule Erlbach eröffnet. Die Initiative hat weitere große Pläne. Der Autor ist Mitarbeiter im Therapie-, Lehr- und Forschungszentrum Eisenbuch und hat dort im Sommer 2017 die Kinderarztpraxis Eisenbuch eröffnet.

© 2020 by think.smart GmbH | Königsallee 27, 40212 Düsseldorf | agentur@think-sm.art