Die Jagd nach Aufmerksamkeit - Lass die anderen im Mittelpunkt stehen!

Aktualisiert: 3. Nov 2019


Der Mädelsabend neigte sich langsam dem Ende zu. Wir plaudern noch ein wenig über die Urlaubserlebnisse des vergangenen Sommers. Inmitten der Gruppe sitzt Anna, die von ihrem letzten Urlaub in der Türkei erzählt. Nicht, dass der Urlaub besonders spannend gewesen wäre. Aber Anna, ist einfach die Entertainerin. Anna, die Frau, die sich mit ihren Geschichten und Erlebnissen, bunt umschrieben, ins Rampenlicht drängt und sich mit ihren Worten und Kommentaren nie aufhalten lässt. An sich ist es nicht schlimm, gerne im Mittelpunkt zu stehen. Aber anstatt zuzuhören oder vielleicht mitzudenken, mitzufühlen oder nachzufragen, geht sie über Gesprächsleichen. Mit abwertenden Worten wie: "Das ist doch noch gar nichts" oder "Da habe ich was viel tolleres erlebt" muss sie sich sogar vor ihren Freundinnen profilieren.


Jeder von uns ist auf der Jagd nach Aufmerksamkeit. Möchte geliebt, gemocht, respektiert und angehimmelt werden und auch einmal die Hauptrolle spielen. Das ist auch total in Ordnung. Aber ist es das Wert die Kämpfe, das Posen und Auftrumpfen und auf diese Art seinen Ego aufzupolieren? Wir nehmen den anderen die Freude, sich mitzuteilen, sich gemocht, beachtet und respektiert zu fühlen. Wer ständig eine Show abzieht, verlernt, sich wirklich zu öffnen. Beziehungen und Freundschaften werden schwieriger.


Tiefere Beziehungen erleben wir doch, wenn wir uns auch einmal zurücknehmen. Wir können uns auch selbst viel besser wahrnehmen. Wer solch ein Verhalten an sich entdeckt und darunter leidet, sollte sich verdeutlichen, dass der eigene Wert nicht vom Urteil anderer Menschen abhängt. Man kann die Entscheidung treffen, sich unabhängig vom Feedback der anderen als Person zu akzeptieren - und Gelassenheit entwickeln. Vielleicht passiert im nächsten Gespräch mit anderen etwas Besonderes in uns, wenn wir etwa in großer Runde schweigen, obwohl man sich bei dem Gesprächsthema gut auskennt.


Die Mentalität immer recht haben zu müssen, ist im Ego verankert. Das eigentliche Problem mit dem Ego ist nicht, dass es da ist, denn es hat ja Funktionen zu erfüllen. So kommt es, dass das Ego bzw. die Person sich aufgrund seiner virtuellen Natur ständig seine eigene Existenz und seinen Wert beweisen muss. Das Ego fühlt sich bedroht, wenn wir einmal nicht recht bekommen. Weiß es etwas und kann es etwas, dann beweist es sich selbst, dass es einen Wert hat. Nur leider wird dieses Gefühl nur kurzfristig glücklich machen. Wissen und Recht zu haben sind keine Faktoren, um glücklich zu sein. Es muss nichts besser gewusst werden. Allein die Daseinsfreude ist es, was die Suche nach Glück überflüssig macht.


Die Frage ist: Möchtest du im Mittelpunkt stehen oder entspannter leben? Überlasse den anderen das Rampenlicht und weise deinem Ego und dir den angestammten Platz zu. Überwinde deinen eigenen Narzissmus als Anzeichen erwachsener Reife. Doch was ist der Unterschied zwischen Narzissmus und Selbstwertgefühl? Ein Beispiel: Das Ego denkt, ich kann, weiß und habe mehr als andere Menschen und ist immer hungrig. Es sucht ständig nach Beweisen und macht abhängig. Das "echte" Selbstwertgefühl denkt, ich bin zufrieden mit mir und mein Wert hängt nicht davon ab, was ich leiste. Es ist satt und wirkt befreiend. Das Ego kommt aus dem Kopf, ist anfällig und schwebt über den Dingen. Das Selbstwert-gefühl ist stark und kommt aus dem Herzen. Lerne Abstand zu nehmen, ohne dir oder anderen Menschen ständig irgendetwas beweisen zu müssen.


Wir laden dich ein vom Rampenlicht bzw. Mittelpunkt zurückzutreten und zu schauen, was passiert.

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