Die große Verführung – wie im Paradies

Im Herbst fallen nicht nur die Blätter, sondern auch tonnenweise Äpfel von den Bäumen. Und das ganz zur Freude des Menschen, denn der Apfel ist Deutschlands beliebtestes Obst. „An apple a day keeps the doctor away“ - denn jeder weiß, dass Äpfel gesund sind. Aber wusstest du, dass Apfel nicht gleich Apfel ist?

Äpfel sind extrem gesund. Doch reicht ein Apfel pro Tag aus, um bei einer ausgewogenen Ernährung den Obstbedarf zu decken? Natürlich nicht. Äpfel sind wichtige Lieferanten von Vitaminen, Ballaststoffen und vor allem sekundäre Pflanzenstoffen sind in hohen Mengen enthalten. Sie gehören auch zu den nur mäßig zuckerreichen Obstsorten – was aus Ernährungssicht auch relevant ist. Deren Gesundheitseffekt beruht auf einer starken antioxidativen Eigenschaft. Außerdem sind Äpfel ein wertvoller Kalium-Lieferant. Hersteller neuer Sorten, preisen gerne einen hohen Vitamin-C Gehalt an: greife lieber zu Zitrusfrüchten, Brokkoli, Paprika oder sogar Sauerkraut, um einen täglichen Vitaminbedarf zu decken, aber nicht unbedingt zu Äpfeln.


Wenn man sich mit einem Thema beschäftigt, eröffnet sich gleich die ganze Welt. So war es auch bei den Äpfeln:


Die Sortenvielfalt unserer Äpfel ist riesig: Von den über 30.000 bekannten Apfelsorten werden in Deutschland immerhin fast 2.000 angebaut. Im Handel sind nur noch wenige Apfelsorten zu finden. Elstar, Braeburn, Jona Gold, Red Prince, Idared, Pink Lady, Fuji, Gala und Boskoop. Diese gehen mit wenigen Ausnahmen - wie der Boskoop - auf eine Züchtung zurück, die ab den 1920er-Jahren mit einer Handvoll Sorten durchgeführt wurde.


Äpfel werden mittlerweile so gezüchtet, dass sie in Monokulturen massenhaft produziert werden können und als Kriterium auch eine lange Haltbarkeit und Lagerfähigkeit zeigen. Manche Äpfel wie der Jakob Lebel werden während der Lagerung weicher und zeigen eine speckige Schicht, andere – wie der gelbliche Winterglockenapfel – werden etwas schrumpelig, bleiben aber trocken und fest. Viele von uns kennen nur die "neuen" Sorten - ein perfekter Apfel kommt nur in die Tüte!


Gibt es eine besonders gesunde Apfelsorte?

Jetzt kann man sagen: Ist doch alles gut und übersichtlich, wenn wir mit Elstar und Breaburn glücklich sind. Leider nein, denn neue Apfelsorten sind weit weniger gut verträglich als die alten Sorten. Ein Grund sind die fehlenden Polyphenole, die in Pflanzen beispielsweise als Farb- oder Geschmacksstoffe vorkommen. Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe. Darum gilt: je mehr Polyphenole, desto mehr sekundäre Pflanzenstoffe.


Bei neuen Apfelsorten werden die Polyphenole fast vollständig raus gezüchtet, weil sie Äpfel sauer machen und schneller braun werden lassen (blöd für Allergiker, weil gerade Polyphenole das Apfelallergen unschädlich machen). Und leider steht für Supermärkte – wie auch für die meisten Konsumenten – ein gutes Aussehen an erster Stelle und nicht der Nährstoffgehalt.


Streuobstwiesen - ein wichtiges Kulturgut

Der gesündeste Apfel kommt von einer ökologischen Streuobstwiese. Hier wachsen hochstämmige Bäume locker nebeneinander. Neben alten und neuen Apfelsorten finden sich auch meist Birnen und Kirschen zusammen. Und weil der Apfel sich ohne Hilfe gegen Wind und Wetter, gegen Schädlinge und natürliche Feinde schützen muss, hat er die geballte Ladung an Polyphenolen. Eine Ausnahme unter den alten Sorten bildet der Golden Delicious. Denn weil die Sorte sehr anfällig für Pilz- und Schädlingsbefall ist, wird sie fast immer gespritzt.


Tipp der Redaktion:

  • Äpfel sollten nicht geschält werden, den die meisten Nährstoffe sitzen unter der Schale.

  • Das Kerngehäuse kannst du gerne der Biotonne überlassen oder auch für das gesunde Gewissen komplett verputzen: Beim Kerngehäuse angekommen, bekommt der süßeste Apfel einen bitteren Beigeschmack. Die enthaltenen Bitterstoffe werden zerkaut im Körper zu Blausäure umgewandelt und Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen.

  • Lagerung im Kühlschrank oder in der Obstschale? Am besten Lagern die Äpfel bei hoher Luftfeuchtigkeit im Keller. Alternativ im Kühlschrank bei zwei bis fünf Grad lagern. Profis sprechen gegen die Obstschale: Früchte sollten sich am besten nicht gegenseitig berühren.

Wichtig ist, die Äpfel wöchentlich kontrollieren und faule Früchte aussortieren.

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