Der weibliche Zyklus - Lass uns reden!

Aktualisiert: 23. Okt 2019

Die Verhütungswelt ist im Wandel – und das ist gut so! Immer mehr Frauen verzichten ganz bewusst auf Hormone, nutzen Alternativen wie die natürliche Familienplanung. Durch diese Entwicklung nehmen viele Frauen ihren Zyklus wieder oder sogar zum allerersten Mal bewusst wahr, sie erleben sich und ihre Weiblichkeit neu und intensiver. Denn ohne die Pille findet der Körper seinen individuellen Rhythmus. Die Periode fällt gegebenenfalls etwas stärker aus und es gibt vielleicht Tage, an denen es nicht so gut läuft.


Verstehen und darüber sprechen

Der Zyklus ist das Symbol für Weiblichkeit und Fruchtbarkeit. "Zu wissen, was passiert und zu verstehen, warum der eigene Körper ab der ersten Periode auf eine neue Weise ganz gesund, lebendig und weiblich zu funktionieren beginnt, ist echt spannend, manchmal vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig", sagt Dr. Gisela Gille, die Mitbegründerin der Initiative Mädchen-Sprechstunde in Frauenarztpraxen. "Denn der Körper ist die Basis der Identität als Frau, und es kommt sehr darauf an, wie wir als junge Mädchen unseren Körper, unsere Sexualität und unsere Fruchtbarkeit kennengelernt haben." Der Zyklus ist das Natürlichste der Welt. "Doch Frauen schleppen verschämt die gesamte Handtasche als Tampon-Taxi zum Klo", sagt die Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten Dr. Yael Adler. "Rund 60 Prozent der jungen Frauen fühlen sich unwohl dabei, ihre Menstruation zu erwähnen."


Warum also ist alles rund um das Thema Menstruation tabu? Medien und bekannte Persönlichkeiten möchten das ändern und widmen sich nun allen Frauenthemen ganz ohne Tabus. Und wir sprechen jetzt auch darüber ...Was geschieht also genau? "Dass der Zyklus bei uns Frauen überhaupt so läuft, wie er läuft, verdanken wir den Eierstockhormonen: In der ersten Hälfte des Zyklus (gezählt wird ab dem ersten Tag der Blutung) dominiert das Östrogen; in der zweiten Hälfte – nach dem Eisprung – das Gelbkörperhormon Progesteron", erklärt Dr. Adler. Verschmilzt die Eizelle nicht mit einem männlichen Samen – beginnt also keine Schwangerschaft –, endet dein Zyklus mit der Blutung. Dabei wird Gebärmutter-schleimhaut, die sich auf eine Schwangerschaft vorbereitet hat, abgestoßen. Mit der Periode beginnt ein neuer Zyklus, und dein Körper stellt sich auf eine mögliche Schwangerschaft ein. Genau darum dreht sich dein Zyklus immer wieder: Er macht dich fruchtbar. Vielleicht hast du das selbst auch schon an dir bemerkt: Kurz vor den Tagen zeigen viele Frauen Hautunreinheiten. Dies ist durch den natürlichen Hormonverlauf bedingt, also ganz normal und eher ein Zeichen, dass dein Körper funktioniert.


In Balance mit pflanzlicher Hilfe

Geraten die fein aufeinander abgestimmten Eierstockhormone aus dem Gleichgewicht, können wir das an "typischen" Frauenproblemen bemerken. Wird beispielsweise weniger Gelbkörperhormon gebildet, dominiert das Östrogen nach dem Eisprung. Viele Frauen spüren dies zum Beispiel durch gespannte Brüste, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme oder schlechte Stimmung. Vielleicht hast du diese Zeichen an dir selbst schon beobachtet? Das "Kind" hat sogar einen Namen: prämenstruelles Syndrom (PMS). Aber keine Sorge. Wenn es einmal zu sehr zwickt, können dir viele natürliche Mittel helfen, deinen Zyklus zu begleiten oder sanft zu lenken. Fühlst du dich in diesen Tagen nicht wohl, gibt es tolle Hilfen, zum Beispiel aus dem Ayurveda: Dort kommt eine asiatische Spargelart – der Shatavari – zum Einsatz, denn sie enthält pflanzliche Hormone. Diese wirken weniger stark im Vergleich zu deinen körpereigenen oder synthetischen Hormonen der Antibabypille. Sie unterstützen jedoch sanft deinen Hormonhaushalt und können dich wieder in Balance bringen. Shatavari hilft zum Beispiel bei PMS-Beschwerden, unterstützt deine Fruchtbarkeit, deine Schwangerschaft und lindert später auch Beschwerden in den Wechseljahren. Super Heilpflanzen für uns Frauen wachsen aber auch vor unserer Haustür. Unterstützung für deinen Hormonhaushalt bieten beispielsweise Frauenmantel oder Himbeerblätter. Trinkst du in der ersten Zyklushälfte Himbeerblättertee, können deine PMS-Symptome gelindert werden. Steigst du nach dem Eisprung auf Frauenmanteltee um, dann wirkt dieser entspannend und krampflösend, falls du menstruationsbedingte Schmerzen haben solltest.


Die Plage mit den Tagen

Warum sind unsere Blutungen manchmal so schmerzhaft? Der Grund ist ganz einfach: Damit die Gebärmutterschleimhaut abgebaut wird, helfen bestimmte Botenstoffe. Werden jedoch zu viele von ihnen gebildet, können Unterleibsschmerzen und Krämpfe entstehen. Wenn man den Grund kennt und weiß, "dass das ganz normal ist", lassen sich diese Schmerzen oft schon leichter ertragen. Kein Grund also, sofort zu Pille und Schmerzmitteln zu greifen. Es gibt entkrampfende Frauenheilkräuter wie beispielsweise die Schafgarbe. Bei Unterbauchschmerzen und starken Blutungen während der Menstruation kann dir ein Tee aus dem "Bauchwehkraut" helfen. Auch Sitzbäder wirken lindernd.


Frauen brauchen mehr Eisen

Bei jeder Menstruation verlieren Frauen zwischen 40 und 50 Milliliter Blut. Ist die Regel-blutung stark, sind es sogar mehr als 80 Milliliter – fast eine halbe Tasse voll! Nicht verwunderlich, dass sich viele Frauen abgeschlagen und müde fühlen, sobald die Regelblutung einsetzt. Das kann auf einen Eisenmangel hinweisen, denn Frauen benötigen mindestens ein Drittel mehr an Eisen als Männer. Die vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel zwischen 2005 und 2007 durchgeführte Nationale Verzehrstudie II ergab jedoch, dass jede zweite Frau zu wenig Eisen mit der Nahrung aufnimmt. "Dann sollten möglichst viele eisenhaltige Pflanzenstoffe eingenommen und die Blutbildung angeregt werden", so Dr. Anja Maria Engelsing. Gute fleischlose Eisen-lieferanten sind Grünkohl, Brokkoli, Spinat, Cashewnüsse und Eigelb. Am besten kann das Spurenelement vom Körper aufgenommen werden, wenn zusätzlich Vitamin C zugeführt wird. Leckere Kombinationen sind beispielsweise Haferflocken und Orangensaft oder Hirsebrei mit Beeren.


Lass laufen!

Vielleicht hast du schon von dem neuen Trend Free Bleeding gehört und dich gefragt, was das eigentlich ist und wie das funktioniert. Gemeint ist die sogenannte freie Menstruation. Sie basiert darauf, keine Produkte zu benutzen, die das Blut während der Periode im Körper halten. Allein deine Muskelkraft soll dir von Nutzen sein. Mit Free Bleeding trainierst du nicht nur die Beckenbodenmuskulatur, sondern entwickelst auch das Gefühl für den eigenen Körper. Denn das Blut fließt während der Menstruation nicht permanent, sondern kommt in Etappen. Man kann sich also darauf einstellen. Bemerkst du einen leichten Druck, in etwa so, wie wenn man auf die Toilette muss, dann solltest du sofort ein "stilles Örtchen" aufsuchen. Hast du Lust, das Ganze auszuprobieren, dann starte erst einmal damit zu Hause. Anfangs ist auch ein Handtuch in der Nacht hilfreich, denn es wird vielleicht nicht auf Anhieb gelingen, deinen Blutfluss zu kontrollieren. Nimm dir Zeit! Nach und nach kann man dann kleine Ausflüge unternehmen und testen, wie wohl man sich fühlt. Free Bleeding fordert naturgemäß ein, sich während der Menstruation so oft hinsetzen und zur Toilette gehen zu können, wie man möchte. Damit kannst du ein wichtiges Zeichen setzen. Denn die Arbeitswelt verlangt oft von uns Frauen, auch während der Menstruation wie gewohnt zu funktionieren – obwohl dann viele von Kopfschmerzen und Unterleibskrämpfen geplagt werden. Wir sollten bei diesem neuen Trend in unserer westlichen Welt jedoch nicht vergessen, dass in einigen Ländern Monatshygiene noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. Das hindert dort Mädchen zum Beispiel am Schulbesuch während ihrer Blutung. Unter diesem Aspekt ist Monatshygiene eine wichtige Errungenschaft für uns Frauen.


Den Zyklus sanft regulieren

Übrigens: Menstruationsbeschwerden wie PMS und Regel schmerzen können ebenso plötzlich auftreten, wie sie verschwinden. Neuseeländische Forscherinnen der Universität von Wellington schlussfolgern in ihrer Über­sichtsarbeit aus dem Jahr 2012, dass die Ein-stellung der Gesellschaft und der Frauen selbst eine wesentliche Rolle spielt. Empfinden Frauen ihre Menstruation eher als etwas Negatives anstatt als Teil ihrer Weiblichkeit und Fruchtbarkeit, so sind psychische Verstimmungen eher möglich. Höchste Zeit also für positives Denken!


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