Achtsamkeit und Selbstmitgefühl: Stressabbau in Zeiten von Corona

Christopher Germer und Kristin Neff, Mitbegründer des Zentrum für achtsames Selbstmitgefühl, sind amerikanische Pioniere auf dem Gebiet des Selbstmitgefühls.

Dieses ist eine bedeutsame Haltung in Bezug auf Stressreduktion, die Entwicklung von Lebensqualität, Freisetzung unserer Kreativität oder auch was den förderlichen Umgang mit Leid und Schmerz angeht. Hier eine gekürzte Fassung eines Beitrags von Germer und Neff zum Thema Coronavirus:


  • Das Coronavirus verbreitet sich auf der ganzen Welt verbreitet und betrifft alle Menschen.


  • Christopher Germer und Kristin Neff sind amerikanische Pioniere auf dem Gebiet des Selbstmitgefühls.


  • Sie glauben, dass Achtsamkeit, Mitgefühl und Selbstliebe in Zeiten von Corona besonders wichtig sind.


Da sich das Coronavirus auf der ganzen Welt verbreitet, sind wir alle in irgendeiner Weise betroffen. Reisen werden eingeschränkt, der Aktienmarkt stürzt ab, Schulen und Arbeitsplätze werden vorübergehend geschlossen. Epidemiologen versuchen, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, aber es bleiben viele Fragen offen: Wie können wir die Ausbreitung des Virus verlangsamen? Welche Auswirkungen wird diese globale Epidemie haben?


“Global” ist das Schlüsselwort. Viele der Probleme, mit denen wir jetzt konfrontiert sind, sind globaler Natur, wie zum Beispiel die Erwärmung des Planeten, die wirtschaftliche Ungleichheit und jetzt ein ansteckendes Virus. Das Coronavirus zeigt auf, wie sehr wir voneinander abhängig sind, da unterbrochene Lieferketten die Produktion verlangsamen und internationale Reisen das Virus verbreiten.


Die Globalisierung ist eine Tatsache – die einzige Wahl ist, ob wir gemeinsam an der Lösung unserer Probleme arbeiten werden. Unserer Ansicht nach besteht die Wahl zwischen einer Reaktion mit Angst oder einer Reaktion mit Freundlichkeit.


Nationalisten greifen das Coronavirus auf, um die Agenda der geschlossenen Grenzen zu verstärken, aber andere arbeiten grenzüberschreitend an der Lösung des Problems, wie etwa eine neue Zusammenarbeit zwischen Harvard-Wissenschaftlern und ihren chinesischen Kollegen, um einen Covid-19-Impfstoff zu entwickeln.


Auch in der Krise: Jeder kann etwas tun

Was kann jeder von uns tun? Hier kommt das Selbstmitgefühl ins Spiel. Selbstmitgefühl stärkt das Immunsystem, es reduziert die Angst und ist der einfachste Weg, unser Herz für andere offen zu halten. Ein gewisses Maß an Angst ist natürlich eine gesunde Reaktion auf ein ansteckendes Virus. Wir wollen auf die Ansteckungsgefahr auf kluge Weise reagieren – mit vorbeugenden Maßnahmen, die uns selbst und anderen zugutekommen.


Selbstmitgefühl kann helfen, wenn das Virus Ihnen unnötige Ängste bereitet, Ihre Arbeits- oder Reisefähigkeit einschränkt, Ihr Einkommen verringert oder wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, sich bereits mit dem Virus infiziert hat. Eine selbstmitfühlende Reaktion auf die Covid-19-Epidemie kann etwa so aussehen:


Achtsamkeit – machen Sie sich bewusst, wie Sie sich mit dem Virus fühlen. Fühlen Sie sich ängstlich, entmutigt, verwirrt? Können Sie es in Ihrem Körper spüren? Wenn ja, wo? Ist Ihr Geist mit dem Virus beschäftigt? Wenn ja, was sind Ihre Gedanken? Können Sie für sich selbst bestätigen, wie Sie auf freundliche und verständnisvolle Weise denken oder fühlen? Zum Beispiel: “Ja, das ist schwer.” “Das ist schwierig.” “Das ist wirklich stressig.” Können Sie ein wenig Raum um Ihre Gefühle herum öffnen, in dem Wissen, dass dies Teil der aktuellen Situation ist, in der wir uns alle befinden?


Bewusstsein für die globale Situation ist wichtig

Gemeinsame Menschlichkeit – wenn Sie Nachrichten von Menschen hören, die mit dem Virus kämpfen, können Sie dann zulassen, dass dies Ihr Gefühl, Teil einer globalen Familie zu sein, verstärkt, anstatt sich getrennt zu fühlen? Können Sie sich in ihrer Situation vorstellen und sagen: “Genau wie ich?” Oder wenn Sie über Ihre eigene Notlage nachdenken, können Sie sich daran erinnern: “Andere fühlen sich so, wie ich mich fühle – ich bin nicht allein.” “Krankheit ist ein Teil des Lebens.” “So fühlt es sich an, jetzt ein Mensch zu sein.”


Selbstliebe – Versuchen Sie, Ihre Hand auf das Herz oder eine andere beruhigende Stelle zu legen und helfen Sie, durch Berührung einige Ihrer Ängste zu beruhigen. Welche Worte müssen Sie hören, um sich jetzt über das Virus zu trösten oder zu beruhigen? Sind sie realistisch? Können Sie mit einer warmen, mitfühlenden Stimme zu sich selbst sprechen? Welche Maßnahmen müssen Sie ergreifen, um sich zu schützen oder für sich selbst zu sorgen? Können Sie sich selbst ermutigen, diese Schritte in unterstützender Weise zu unternehmen?


Merken Sie, ob Sie sich durch diese Praxis entspannter und mitfühlender fühlen oder zu positiven Maßnahmen ermutigt werden. Fühlen Sie sich frei, Ihren eigenen Weg zu finden, um mit sich selbst mitfühlend zu sein, vielleicht indem Sie sich auf alltägliche Verhaltensweisen zur Selbstversorgung einlassen, wie zum Beispiel eine Tasse Tee genießen oder ein warmes Bad nehmen.


Wie jede Krise ist auch das Covid-19-Virus eine Chance.

Der Autor ist zu erreichen unter www.achtsamkeit-und-co.de

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